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  L'eroica
 
L´eroica

13,5 h- Start und Ziel im Dunkeln-
Was dazwischen lag, war ein Radsporterlebnis der besonderen Art:

Am Tage zuvor hatte ich diese Tour, die ich ja vom letzten Jahr schon kannte, mit einem 5- Gänge- Menü verglichen. Denn es gab 5 Verpflegungsstationen und ich wollte von einer zu anderen „rollen“.
Auf der Strecke braucht man eigentlich nur einen Gang und der muss passen, denn sonst kommt man die giftigen Anstiegen nicht fahrend hoch. Meine 38/28 haben gerade so ausgereicht.
In diesem Jahr war es am Start um 6 Uhr morgens schon angenehm warm, daran konnten auch die ersten Kilometer Abfahrt nichts ändern. Eine neue Streckenvariante führte uns schon nach wenigen Kilometern bergan zum Castello Brolio- die letzten Kilometer Schotterpiste, zweistellige Steigung zum Castello, waren gesäumt mit Kerzen, die uns den Weg geleiteten und eine festliche Stimmung verbreiteten. Bergab, frisch geschottert, forderte volle Konzentration- die Eingewöhnungsphase hatte begonnen. Zum Glück wurde es jetzt langsam schon hell, es war Vollmond, und so konnte man die Löcher schon erahnen in die man hinein fuhr.
Bevor wir nun auf Asphalt das Stadtschild von Siena streiften, kamen die ersten Rampen- sicher so um die 15%. Hinter Siena hatten wir uns schon an das ständige Auf und Ab gewöhnt. Jeder Anstieg war giftig- so dass wir froh waren nach 45 km endlich mit der Menüfolge zu beginnen.
Es gab reichlich und wir probierten alles einmal durch, bis wir gut gesättigt zur 2. Etappe aufbrachen. Diese Etappe führte uns zum höchsten Punkt der l´eroica, nach Montalcino. Vom letzten Jahr her wusste ich noch, das wird hammerhart. So war es. Ralf war glücklich, dass auch er seine 42/28 dort hoch drücken konnte, konnte allerdings nicht, wie ich im Sitzen, sondern nur im Stehen dort hinauf. Das Problem ist das Durchdrehen des Hinterrades und es kostet denke ich auch mehr Kraft. Schließlich haben wir in Montalcino noch nicht die Hälfte der Tour geschafft- doch dort gab es erst einmal den 2. Gang der Menüfolge.
Eine rasende Abfahrt- zum Glück auf Asphalt- dann wieder eine lange Zeit Schotter. Als wir auf den 15 km – Abschnitt der Mille Miglia vom Vorjahr kamen, lief es bei mir richtig gut- vielleicht die Erinnerung daran, die mich beflügelte. Anstrengend fand ich auf diesem Abschnitt allerdings das „Wellblech“, von dem es hier reichlich gab. Ab einer gewissen Geschwindigkeit soll man davon ja nichts merken- wir waren wohl zu langsam unterwegs.
Den 3. Gang der Menüfolge hätten wir beinahe verpasst- zumindest waren wir schon vorbeigefahren, als wir noch einmal das Roadbook studierten. Also kurzes Stück zurück, denn dort gab es diese wohlschmeckende Suppe, eine Spezialität der Toscana. Hier machten wir eine etwas längere Pause, unterhielten uns mit zwei älteren Schweizern. Der eine kaufte mir meinen Ersatzreifen ab, nicht für sich sondern für seinen Kollegen- er konnte es wohl nicht mehr ertragen ständig wegen Platten anzuhalten. Der Kollege fuhr Rennbereifung „extra light“- wohl nicht das geeignete Pneu für diese Strecke.
Die beiden waren flott unterwegs hinterher, auf jeden Fall fuhren sie uns beiden davon.
Der nächste Streckenabschnitt hatte zunächst „flach“ im Angebot- eine nette Erholung, die wir auch, eher im Regenerationsbereich, nutzten. Kurz vor Asciano wurde es dann wieder steil und am steilsten Streckenabschnitt standen Autos im Wege, ein Radkollege hatte wohl einen Herzinfarkt erlitten- ich selber war so damit beschäftigt das Rad auf der Straße zu halten, dass ich gar nicht sah, was dort vor sich ging.
4. Gang der Menüfolge; hier trafen wir Lars aus Neumünster, der hier seine Urlaubsrunden auf seinem Youngtimer- Rennrad drehte. Er fuhr die Kontrollstellen der l´eroica ab, um ein wenig vom Flair dieser Tour mit zu bekommen. Er war auch gar nicht überrascht mich hier zu treffen: „ Du fährst auch überall…..“
Wir plauderten eine Weile- ich wusste, jetzt kommt eine Menüfolge der besonderen Art- steilste Rampen und davon 4- 5 direkt hintereinander. So steil, dass man aufpassen musste , dass das Vorderrad nicht abhebt, wobei man noch aufpassen muss, nicht in den allzu weichen Schotter zu geraten, denn das hätte unweigerlich Stillstand zur Folge gehabt. Die Rampen nehmen kein Ende und auch bergab ist es nicht leichter- die Abfahrte sind so steil, dass man nur mit Mühe die Geschwindigkeit wieder reduzieren kann um in den Kurven nicht vom Weg ab zu kommen. Ralf ist da etwas mutiger als ich und lässt das Rad öfter mal laufen.
5. Gang der Menüfolge- habe ich schon gesagt, dass das Verpflegungsangebot so gut, reichlich, lecker…. ist, dass alle Anstrengungen im Nu verflogen sind. Endlich probiere ich auch mal den Wein- bis hierher hatte ich mich zurück gehalten Aber nun ist es ja nicht mehr weit bis ins Ziel.
Nur ein langer Anstieg, nicht mehr ganz so steil, wartet auf uns hinter Pianella. Nachdem wir auch den geschafft haben, schlage ich vor in Vagliagli einen Kaffee zu trinken. Wir melden unsere Ankunft schon mal in Gaiole per Telefon an und nehmen die letzten Hürden unter die Räder.
Bei Radda wird es dann auch schon wieder dunkel und bei der finalen Abfahrt nach Gaiole, sieht man praktisch nichts mehr- ich taste mich so durch die verstaubten Pisten. Ein schönes Bild eigentlich- mein Vordermann schemenhaft im Schein eines Autorücklichtes mit einer kleinen Staubfahne hinter seinem Rad. Doch Obacht- nur nicht mehr stürzen so kurz vor dem Ziel.
Dort warten Katharina, Inge, Rainer und Felix auf uns. Beim Bier abends erzählen wir uns Heldentaten- Rainer und Katharina sind die 75 km Runde gefahren und hatten eine andere Menüfolge.
Die l´eroica ließ wieder keine Wünsche offen- gefehlt hat eigentlich nur Michael, dem die Strecke im Vorjahr immerhin ein „och“ entlocken konnte.
Gianni Motta habe ich leider nicht getroffen- so muss ich dann doch mal im nächsten Jahr seinen Grand Fondo in Bergamo fahren.

Gerald